Die Bibel = Science-Fiction? Teil 1

Keine Lust zu lesen? Dann kannst du es hier auch anhören:

Wenn man ehrlich ist, dann gibt es nicht mehr viele Menschen auf dieser Welt, die die Bibel als irrtumslos ansehen. Die  Menschen, die an Gottes Wort glauben, werden als naiv und aus der Steinzeit kommend bezeichnet. “Intelligente” Menschen ordnen die Bibel in ihrer Bibliothek unter Science-Fiction ein und bezweifeln Jesus’ Existenz. Doch wie reagieren wir als Christen darauf? Nehmen wir es einfach hin oder verteidigen wir dieses ‘ausgediente’ Buch etwa?

Meiner Meinung nach könnte man die Lage doch auch erst einmal untersuchen, bevor man die Bibel als Märchenbuch in den Müll schmeißt. Wie ist die Bibel, Altes und Neues Testament, zum Beispiel entstanden? Welche Quellen gibt es für die Geschichtlichkeit der Bibel? Widerspricht sich die Bibel tatsächlich so oft, wie es von unseren Freunden, Lehrern oder Dozenten angegeben wurde?

Es gibt so viele Behauptungen über die Bibel und über den christlichen Glauben, dass man diesen “Behauptungen” doch auch mal auf den Grund gehen könnte. Über die nächste Zeit möchte ich ein paar dieser Äußerungen auf den Zahn fühlen und testen, ob die Lage in der Tat so aussieht, wie sie uns immer und immer wieder geschildert wird.

Heute wollen wir uns einmal mit der Frage über die Grundlage des biblischen Texts des Neuen Testaments befassen. 

Zu Anfang sollte man wissen, dass alle antiken Bücher natürlich auch durch antike Manuskripte belegt sind. Das Neue Testament, und so ist es die mehrheitliche Meinung, wurde in griechischer Sprache verfasst. Auf die Frage einer möglichen anderen Ursprache werde ich in einem baldigen Blog eingehen.

Wenn wir vom griechischen ausgehen, dann liegen uns für das Neue Testament circa 5 838 Manuskripte vor und es werden immer wieder neue Funde gemacht. Es gibt mehr als 25000 Manuskripte in anderen Sprachen (z. B. Latein, Koptisch, Syrisch). Wir können mehr als 1 Millionen Zitate, durch Kirchenväter getätigt, in deren Aufschrieben finden.

Natürlich sollte man auch wissen, dass nicht alle Manuskripte die gleiche Größe haben. Dazu kann man als gutes Beispiel das John Rylands Papyrus, auch P52 genannt, anführen. Es hat die größe einer Kreditkarte und ist bis auf den heutigen Tag das älteste Manuskript, das wir haben. (Der Ausschnitt ist aus dem Johannesevangelium.) Das ist natürlich nicht die Norm und so haben die vorliegenden Manuskripte eine Durchschnittsgröße von 459 Seiten.

Das zuvor erwähnte John Rylands Papyrus wird ungefähr auf 10-60 Jahre nach der Entstehung datiert (Johannesevangelium 90 n. Chr.). Von den ersten 1000 Jahren haben wir ungefähr 600 Manuskripte.

Diese Zahlen sagen einem ohne Vergleich, natürlich bedeutend wenig. Wenn man sich jedoch einmal den von den Manuskripten am besten belegten Konkurrenten anschauen und vergleicht, dann findet man an dieser Stelle die homerischen Epen (Homers Odyssee und Ilias).

Zu dem Werk von Homer kennen wir derzeitig circa 2000 Manuskripte. Das älteste Manuskript wurde 350 Jahre nach den Originalen geschrieben. Wenn wir das nun mit dem Neuen Testament vergleichen, dann gibt es da fast keinen Vergleich:

Die Homerischen Epen                                             Das Neue Testament
– Nahezu 2000 Manuskripte                 – 5 838 griechische Manuskripte  – Ältestes: ca. 350 Jahre                          – Ältestes: ca. 10-60 Jahre

TextVarianten

Wenn man so viel verschiedene Manuskripte zur Auswahl hat, dann gibt es, und so verhält es sich auch im Neuen Testament, verschieden Varianten. Bei dieser Anzahl von Manuskripten haben wir es mit geschätzten 300.000 bis 400.000 Varianten zu tun. Viele dieser Varianten sind dadurch zu Stande gekommen, dass die Schriftgelehrten beim übertragen nicht achtsam genug waren oder weil sie manche Textstellen Sinn erklärend übertrugen. Im Vergleich haben wir  300.000 bis 400.000 Textvarianten  auf 130.000 Worte im Neuen Testament.

An dieser Stelle ist es wichtig, zu wissen, dass es verschiedene Arten von Varianten gibt. Die Art von Variante, um die wir theoretisch besorgt sein müssten, sind die brauchbaren Varianten. Brauchbare Varianten sind Varianten des Textes, die in den Manuskripten gleich gut belegt sind. Deshalb kann man viele Varianten schon frühzeitig entfernen, weil eine vorliegende Variante zum Beispiel im Vergleich zu den anderen Manuskripten sonst nie verwendet wird.

Passiert es dann doch, dass man einer brauchbaren Variante begegnet, dann werden folgende Fragen gestellt:
Ist diese brauchbare Variante bedeutsam? Verändert es die Bedeutung der Textstelle?

Die meisten Male entsteht eine solche brauchbare Variante durch ein bewegliches nü (vergleichbar mit dem englischen: a historian und an historian), jedoch verändert es die Bedeutung des Textes nicht.

Wir kommen also zu einer Abfolge:

1. Ist die Variante brauchbar?
Wenn “Ja”, dann folgt
2. Verändert diese Variante die Bedeutung des Textes?

Für die Art der Variante, die austauschbar ist und bei der sich gleichzeitig auch die Bedeutung des Textes ändert, liegen uns nur wenige vor. Ein Beispiel einer solchen Variante ist z.B. in 1. Johannes 1:4 zu finden:

„Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.“ (Elberfelder)
„Und dies schreiben wir, damit eure Freude vollkommen sei.“(Schlachter 2000)

Die Belege für beide Varianten sind in den Manuskripten sehr gut nachgewiesen und so ist es schwierig sich für eine Version zu entscheiden. Ehrlich gesagt wissen wir hier nicht, welche Variante aus dem Originaltext stammt und deshalb variieren die deutschen Übersetzungen an dieser Stelle.

In den griechischen Varianten finden wir folgende Wort:
ᾑμων (unser)
υμων (euer)

Uns fällt auf, dass der Unterschied hier in einem Buchstaben besteht. Das Eta (das im Deutschen wie ein “n” aussieht) und das Ypsilon (das im Deutschen wie ein “u” aussieht). Dieser kleine Unterschied verändert jedoch alles in Bezug auf das zu verwendene Wort.

Eine Sache ist hier wichtig: Obwohl es zwar eine austauschbare Variante ist und die Bedeutung des Textes verändert, verändert es jedoch keine Lehre, keine wichtige und zentrale Aussage des biblischen Textes oder die Interpretation vom 1. Brief des Johannes.

Zusammenfassung

Der Prozentsatz an Belegstellen, in denen die Lesart unsicher ist und es eine gute nachgewiesene alternative Lesart gibt, die die Bedeutung des Verses verändern könnte, liegt bei:

.001

In anderen Worten: Wir kommen zu dem Ergebnis, dass die Überlieferung des Neuen Testaments zu 99.9% rein ist.

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