Hat Gott die Menschen erschaffen, weil er einsam war?

Keine Lust zu lesen? Dann kannst du es hier auch anhören:

„Manche Menschen haben die Vermutung geäußert, dass Gott menschliche Wesen erschuf, weil er einsam war und Gemeinschaft mit anderen Personen brauchte. Wenn das wahr wäre, dann würde das bedeuten, dass Gott nicht völlig unabhängig von seiner Schöpfung wäre. Es würde bedeuten, dass Gott Menschen erschaffen müsste um vollkommen zufrieden zu sein oder in seiner persönlichen Existenz erfüllt zu sein.“ – Wayne Grudem

Verspürte Gott einmal Langeweile und dachte Er sich dann dabei: „Da ich mich gerade so einsam fühle könnte ich jetzt ja Menschen erschaffen.“? Warum schuf Gott uns Menschen? Grudem’s Beobachtung zeigt uns dazu einen durchdringenden Einblick in die Denkweise von vielen Christen. Doch ist das wirklich das, was uns die Bibel lehrt? Welche Konsequenzen würde diese Auffassung für unseren Lobpreis haben? Würde das etwas an unserer Errettung ändern?

Wir müssen natürlich mit der Frage beginnen, ob Gott uns braucht, um selbst zu existieren oder erfüllt und glücklich zu sein?

Nachdem Gott den ersten Menschen erschuf, sagte er erstaunlicherweise „Es ist nicht gut…“ (Genesis 2:18). Alles was Gott zuvor schuf beschrieb er als „gut“, doch hier, in einer perfekten Welt, bevor die Menschen sündigten, erklärte Gott etwas als „nicht gut“ (ebd.). Doch was war diese Sache, die „nicht gut“ war? – Es war die Einsamkeit des Menschen (nicht Gottes eigene Einsamkeit).

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe als seinen Gegenüber machen, die ihm entspricht“ (ebd.)

Es gibt jedoch Spekulationen darüber, die folgendermaßen lauten: ‚Weil Einsamkeit selbst in einer perfekten Welt nicht gut war, muss sich Gott auch allein gefühlt haben und das ist der Grund, dass er den Menschen erschuf. Vielleicht wollte er oder brauchte er eine menschliche Beziehung und deswegen schuf er den Menschen. Der Mensch löste also Gottes Einsamkeit auf.‘

Eine solche Aussage würden manche Blasphemie nennen, andere eine Irrlehre. Was durch ein solches Statement passiert, ist dass wir Gott verniedlichen und auf unser Level hinunterziehen. Dieses Denken setzt voraus, dass Gott etwas fehlt. Doch Gott ist perfekt und somit kann ihm nichts fehlen!

Der Gott der Bibel braucht uns also nicht. In der Theologie wird dieses Konzept auch die Aseität Gottes genannt, wörtlich übersetzt bedeutet das „von-Ihm-selbst-Sein“, Gott ist a-se. Er existiert ohne auf die Welt angewiesen zu sein – Gott ist selbstgenügsam und selbst existierend. John Frame gibt uns in seinem Buch, The Doctrine of God (dt.: Die Lehre Gottes; Seite 603-608), sieben hilfreiche Punkte, die Gottes Aseität beschreiben:

 

1. Gott ist im Besitz von allem, was es gibt. Er ist „der höchste Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat!“ (Genesis 14:19). „Dem Herrn gehört die ganze Erde mit allem, was darauf lebt.“ (Psalm 24:1)

2. Alles, das im Besitz einer Kreatur ist, kommt von Gott. Gott erschuf die Erde (Genesis 1-2, Exodus 20:11, Nehemia 9:6, Psalm 146:5-6) und „von oben kommen nur gute Gaben und nur vollkommene Geschenke; sie kommen vom Schöpfer der Gestirne, der sich nicht ändert und bei dem es keinen Wechsel von Licht zu Finsternis gibt.“ (Jakobus 1:17).

3. Wenn wir Gott etwas zurückgeben, dann geben wir ihm nur von dem, was er uns zuvor zukommen lassen hat. Wir sind die Verwalter von Gottes Gaben und wir werden einmal Rechenschaft dafür abgeben, ob wir die Gaben, die er uns gegeben hat, für seine Verherrlichung eingesetzt haben oder nicht (Lukas 12:42; 16:1-8). Weil auch die Gemeinden Gott gehören, werden auch einmal die Pastoren für ihre Pastorentätigkeit Rechenschaft ablegen müssen (Titus 1:7, Jakobus 3:1)

4. Wenn wir Gott etwas zurückgeben, dann ist er nicht dazu verpflichtet uns etwas zurückzugeben. Wenn wir das tun, zu dem wir angewiesen wurden, dann haben wir als Diener unsere Pflicht getan (Lukas 17:10).

5. Gott ist keiner Kreatur etwas schuldig. Wenn man einmal bemerkt, wie Gott Hiob antwortet: „Wer hat mir zuvor gegeben, dass ich ihm vergelten sollte? Was unter dem ganzen Himmel ist, mir gehört es!“ (Hiob 41:3). Oder Paulus schreibt es folgendermaßen: „Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“ (Römer 11:35-36).

6. Gott hat keine Nöte. Psalm 50 ist in dieser Hinsicht sehr kraftvoll: „Ich kenne alle Vögel der Berge, und was sich tummelt im Feld, ist mir bekannt. Wenn mich hungerte, ich würde es dir nicht sagen; denn mein ist die Welt und ihre Fülle.“ (Psalm 50:10-12).

7. Gott ist von Natur aus a se (er ist selbstversorgend). So drückt es Paulus auch vor den Athenern auf dem Aeropag aus: „Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat. Er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen erbaut wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen. Nicht er ist von uns abhängig, ´sondern wir von ihm`. Er ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, ´was wir zum Leben brauchen`. (Apostelgeschichte 17:24+25)

 Ein weiteres Problem mit dieser Ansicht ist, dass der ewige Gott noch nie allein war. Gott der im Wesen einer ist aber aus drei Personen besteht, existierte also auch ewiglich in einer Beziehung der drei Personen; Vater, Sohn und Heiliger Geist (Erklärung zur Dreieinigkeit).

Der erste Mensch wurde richtigerweise allein erschaffen (nicht einsam). Doch Gott behob das „nicht gut“ dadurch, dass er einen anderen Menschen für den Zweck der Fortpflanzung und der menschlichen Beziehung schuf.

Warum erschuf Gott die Menschen dann, wenn er gar nicht einsam war?

Als Gott „Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich“ aussprach (Genesis 1:26), dann gestaltete er jeden von uns im Hinblick darauf, dass wir uns an Beziehungen erfreuen sollten, so wie er es selbst auch macht. Obwohl wir die perfekte Beziehung innerhalb der Dreieinigkeit zwar in einer absoluten Weise nicht verstehen können, besitzen wir dennoch die Fähigkeit die Freude an Beziehung zu erfahren.

Jesus sagte: „Ich sage euch das, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude vollkommen ist.“ (Johannes 15:11). In der Tat sagt Gott hier: „Wenn ihr eine innige Beziehung zu mir habt und meine Freude annehmt, dann werdet ihr durch unsere nahe Beziehung die wahre Freude des Lebens erfahren, denn dann werdet ihr die Frucht aus meiner eigenen Natur hervorbringen – Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstkontrolle (s.a. Galater 5:22-23). Wenn ihr das macht, dann werdet ihr meine Gegenwart widerspiegeln und mir die Ehre geben!“ Deshalb hat Gott Menschen erschaffen – damit Er dadurch Ehre bekommt. Gott schuf aus seiner Gnade heraus. Er hätte uns nicht erschaffen müssen. Ihm fehlte rein gar nichts! Doch er machte uns zu einer Erweiterung seiner Güte.

Die Bibel bekundet, dass „von ihm und durch ihn und für ihn alle Dinge“ sind (Römer 11:36). „Gebt dem Herrn die Ehre, die ihm zusteht!“ (1.Chronik 16:29). Wir werden durch die Bibel dazu ermahnt, dass es egal ist, was auch gesagt, gedacht oder getan wird, es soll alles so geschehen „dass Gott dadurch geehrt wird“ (1. Korinther 10:31) und „damit in allem Gott verherrlicht wird“ (1. Petrus 4:11). Gott zu ehren bedeutet, dass man ihn erhebt, verherrlicht, ihn preist und ihn ehrvoll vertritt – in Wirklichkeit ist das der Sinn unseres Lebens. Trotz unserer Sünde, die unsere Beziehung zu ihm zerbrach, kann sie durch Christus wiederhergestellt werden: „Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.“ (2. Korinther 3:18)

Gott erschuf uns also, dass wir mit ihm auf ewig eine Beziehung haben können und Ihm durch diese Beziehung Ehre und Herrlichkeit bringen.

Auswirkungen für unseren Lobpreis

 Nachdem wir erkannt haben, dass Gott nicht einsam ist und auch nicht von uns abhängig ist, sollten wir uns fragen, welche Auswirkungen das für unseren Lobpreis hat? Welche Auswirkungen hat das auf unsere Errettung?

Im Psalm 50 und in Jesaja 40 erfahren wir, dass Gott den heidnischen Göttern der Nachbarvölker von Israel nicht gleicht. Diese Götter wurden vom Menschen selbst entworfen (Jesaja 40:19-20). Mit der Nutzung von viel Satire erklärt Jesaja, dass das gleiche Holz dafür gebraucht wird, um den Menschen zu wärmen aber auch um aus diesem Material einen „Gott“ zu formen, vor dem man sich dann niederbeugt und betet „Errette mich, denn du bist mein Gott!“ (Jesaja 44:15-17). Das ist kein Gott, der retten kann, sondern ein Gott, der selbst gerettet werden muss. „Auf diese Weise“ schreibt Frame „verspottet der Herr Lobpreis, bei dem der Gott auf den Lobpreiser angewiesen ist, ein Lobpreis bei dem der Lobpreiser die Bedürfnisse des Gottes erfüllt“ (Die Lehre von Gott, 606).

In demselben Kontrast beschreibt Paulus unseren Herrn in Apostelgeschichte 17:24-30 als Schöpfer und nicht als Schöpfung. Paulus verleiht dem Nachdruck, denn Gott wird von uns nicht angebetet „als ob er etwas benötigen würde“. Wahre biblische Anbetung ist nicht deswegen auf Gott ausgerichtet, weil er uns braucht, sondern weil wir Ihn brauchen. Passend dazu kann man die Worte der 24 Ältesten betrachten, die vor dem Thron Gottes nieder fallen, ihn anbeten und ihre Kronen vor Gott niederwerfen: „Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen!“ (Offenbarung 4:11).

Wenn Gott von uns nicht unabhängig wäre, dann wäre er auch nicht würdig, qualifiziert oder fähig uns zu erretten. Wäre Gott nicht a se, dann wäre er schwach und bedauernswert. Er wäre dann vielleicht ein Gott wie wir, aber er wäre nicht besser als wir. In unserer Welt wäre er vielleicht ein Gott, doch er wäre kein eigenständiger Gott. Michael Horton drückt das, in Hinblick auf das Evangelium so aus: „Wenn Gott von seiner Schöpfung nicht eindeutig getrennt wäre, dann sollten wir eher für ihn beten, doch nicht zu ihm“ (Der christliche Glaube, 235). Aber gerade aus diesem Grund ist es für Gott möglich in seine Schöpfung einzugreifen und dadurch verlassene Sünder zu retten (Epheser 1:7-8).

Jedoch gibt es in der Diskussion über die gestellte Frage zwei Gefahren, denen wir aus dem Weg gehen sollten:

1. Man könnte schlussfolgern, dass wir für Gott unbedeutend sind, weil er uns ja nicht braucht.

2. Man könnte auch schlussfolgern, dass Gott nicht auf Beziehung aus ist, weil er von uns unabhängig ist.

Beide dieser Schlussfolgerungen sind aber falsch. Obwohl Gott uns nicht braucht und in keiner Weise dazu verpflichtet wäre eine Beziehung mit uns einzugehen, erschuf er uns dennoch in seinem Bild und auch dazu um mit Ihm Gemeinschaft zu haben (Genesis 1-2). Wir bedeuten Ihm etwas, weil er beschloss, dass wir bedeutungsvoll sind.

Selbst als die Sünde unsere Gemeinschaft und unseren Zugang zu Ihm ruinierte (Genesis 3), ging er einen rettenden Bund mit uns ein. Er war nicht dazu verpflichtet uns zu retten. Gott hätte jedes Recht die Menschheit für alle Ewigkeit zu verwerfen (Matthäus 25:41). „Doch Gottes Erbarmen ist unbegreiflich groß! Wir waren aufgrund unserer Verfehlungen tot, aber er hat uns so sehr geliebt, dass er uns zusammen mit Christus lebendig gemacht hat. Ja, es ist nichts als Gnade, dass ihr gerettet seid!“ (Epheser 2:4-5). Das Evangelium ist auf einen Gott angewiesen, der jedoch nicht auf uns angewiesen ist.

Das beinhaltet ein wunderbare Offenbarung für unser Leben: Obwohl Gott uns nicht braucht, gibt er uns doch das Privileg, dass wir ihm dienen dürfen.

Ich finde, dass C.S. Lewis diese Thematik sehr gut auf den Punkt bringt:

„Gott erschuf uns nicht, weil es ihm langweilig war, weil er einsam war oder er nicht wusste, was er sonst tun sollte. Er schuf uns, damit wir Objekte seiner Liebe sein können! Manchmal machen uns unsere Taten jedoch unschön, doch wir sind niemals ungeliebt. Und gerade weil Gott uns liebt, haben wir einen Wert. Niemand kann uns diesen Wert wegnehmen. Gottes Liebe, die sich auf Golgatha offenbarte, macht sich an fehlerhaften Kreaturen, wie uns, fest und aus Gründen, die sich niemand von uns erklären kann, macht uns diese Liebe unvorstellbar wertvoll. Das ist Liebe, die über den Verstand geht. Und das ist die Liebe mit der uns Gott liebt.“

 

 

 

[1] http://seanmcdowell.org/blog/was-god-ever-lonely
[2] https://www.thegospelcoalition.org/article/the-gospel-depends-on-a-god-who-does-not-need-you/
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